1931
 
Wer aber zum Künstler bestimmt ist,
dem bleibt nur eins: sich damit abzufinden

  

»Anfang Januar 1931 verabschiedet sich in Bremerhaven Liselotte Wilke, geborene Bunnenberg, von ihren beiden kleinen Söhnen Björn und Michael und besteigt den Zug in Richtung Berlin, voller Zuversicht über ihre Zukunft. Ihre kleine Tochter Litta hatte sie schon an ihre ältere Schwester Thekla ›abgegeben‹ ...
 
Lale mit ihrer Tochter Carmen-Litta›So bald es geht, kommen die Kinder zu mir‹, versucht sie ihre Mutter zu beruhigen, die von dem Entschluss ihrer Tochter alles andere als entzückt ist. Aber die Vorwürfe ihrer dominierenden und als leicht exzentrisch geltenden Mutter hört Liselotte nicht mehr, als sie endlich im Zug sitzt. Sie denkt nur noch an die Zukunft, und die heißt: Theater – und wer zum Theater will, geht nach Berlin. In Berlin drehen Regisseure wie Fritz Lang, Robert Siodmak, Georg Wilhelm Pabst, Ernst Lubitsch und Billy Wilder ihre ersten Filme – und junge Mädchen träumen von ihrer großen Chance.
 
Liselotte hat sich bei den Freunden ihres Mannes Paul Ernst genau erkundigt, wo man in Berlin als angehende Künstlerin hingehen muss, wer für sie und ihre Karriere von Bedeutung sein könnte und wo es sich in der Millionenstadt angenehm wohnen lässt. Und während sich ihr Mann noch über das Interesse seiner jungen, unerfahrenen Frau amüsierte, schmiedete Liselotte ihre Zukunftspläne. Sie habe Kinderkriegen und Ehefrau spielen endgültig satt, niemand könne sie daran hindern, nach Berlin zu fahren, um dort beim Theater Karriere zu machen. Ambitionen hatte sie immer, ein bisschen Theater hat sie auch schon gespielt; alles andere würde sich finden.«  >> weiter

 
Quelle: Litta Magnus Andersen (1991) S. 7